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Persönliche Veränderung – Eine ehrliche Selbstreflektion

17.03.2017

Wer bin ich? Was mache ich eigentlich in und aus meinem Leben? 

Ich hatte letztens einen dieser überaus seltenen, nachdenklichen freien Vormittage zuhause. Während ich mir wieder einmal Vieles vornahm, wie z.B. die am Vorabend zusammengetragenen Lernmaterialien für eine Prüfung zu studieren, sah ich mich plötzlich ohne Vorwarnung über einigen anderen, bisher unerledigten Aufgaben, wie das halt immer so ist…
In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff, den „Zeigarnik-Effekt“ oder auch „Cliffhanger-Effekt“. Dieser beschreibt, dass das innerliche Unerledigtsein einer Handlung innere Spannung erzeugt.
Ich heftete also stattdessen Rechnungsbelege ab, die mich mit ihrem scheinbar unendlichen Charakter zu verschlingen drohten. Gott sei Dank schossen mir bei so viel Stupidität gleichzeitig ungefragt massenhaft Gedanken über mich und mein Leben durch den Kopf, die mich zumindest von dieser Aufgabe erlösten und mit denen es umzugehen gilt.
Doch, was genau tun mit diesen Gedanken? Sie einfach unterdrücken, als wenn nichts gewesen wäre? Nein, sofort nahm ich mir in weiser Voraussicht Zettel & Stift und notierte mir einige Gedankengänge, damit sie nicht verloren gehen und ich sie später verschriftbildlichen kann.

„Cliffhanger-Effekt“. Dieser beschreibt, dass das innerliche Unerledigtsein einer Handlung innere Spannung erzeugt.

Mit prall gefülltem Terminkalender kommen solche Momente eben nur selten vor, es sei denn, man schafft sie sich bewusst. Wer das letzte Mal am Sonntag einfach mal zu Hause abgehangen hat, weiß was ich meine. Wir nehmen uns zu wenig Zeit zum Reflektieren unserer Selbst, weshalb ich diese wertvollen Gedanken nicht umsonst getätigt haben möchte.
Die Frage lautet: „Reflektierst du dich selbst?“ und wenn ja: Wie oft?
Indem du dich regelmäßig selbstreflektierst, machst du dir bewusst, was dir wichtig ist (im Leben), wo du in selbigem hinwillst und eventuell auch was dich glücklich macht.

Deswegen starte ich jetzt in folgenden 3 Schritten damit herauszufinden, wer ich überhaupt bin und was mich ausmacht!

Wie/Wer bin ich?

Für mich lässt sich das Leben gut wie diese Metapher über öffentliche Verkehrsmittel beschreiben:
Ich sitze in einem ziemlich vollen Abteil (Bus, Bahn egal) mit teils bekannten, meist aber völlig fremden und scheinbar grundverschiedenen Menschen. Wir sitzen alle im selben Boot, nur dass jeder ein anderes (Stations)ziel hat und sich die gemeinsamen Wege an unterschiedlichen Stellen trennen, aber auch wieder zufällig zusammenführen können (am nächsten Tag, in einem Jahr usw.). Ein klares Ziel mit Endstation scheint es zunächst nicht zu geben und so geht die Fahrt eher kreisförmig voran, wobei sich Stationen teilweise wiederholen können, aber nicht müssen und sogar ganz von der Karte verschwinden können, ohne Rückfahrt.
So sitze ich nun, ein bisschen in meiner eigenen Welt durch meine Kopfhörer und Gedanken bewusst isoliert und lasse meinen Blick durch das Abteil wandern. Erst grob, dann bei interessanten Details genauer. Was treiben die anderen Menschen so? Ist es sinnvoll, kann ich daraus etwas ablesen und für mein Tun ableiten? Kann ich das überhaupt aus meiner (begrenzten) Sicht und Position (Statusfrage) überhaupt gerecht beurteilen?
Jeder hier in diesem Abteil scheint seine eigene Welt zu haben und in dieser zu leben.

Wir sitzen alle im selben Boot, nur dass jeder ein anderes (Stations)ziel hat

Die Zeit zwischen den Stationen verwischt aufgrund der Geschwindigkeit des Transportmittels. Ich nehme so viele Eindrücke wahr, aber immer etwas verschwommen. Allerdings steige ich zu keinem Zeitpunkt an einer Station aus, um diese länger als für den notwendigen Zwischenstopp zum Austausch der Fahrgäste genauer in Augenschein zu nehmen. Mir scheint es, dass ich nie den richtigen Durchblick habe und zwischendurch verschlafe ich sogar ein paar Stationen.
Manchmal brauche (diese) eine Ansage, um nicht zu viel zu verpassen. Ich befinde mich in einer Art halbkomatösem Zwischenzustand aus Wachsein und Müdigkeit, die mich auf meiner Reise begleitet, hervorgerufen durch die den absolvierten Weg, der bereits hinter mir liegt.
Mittlerweile bin ich in einem Alter angekommen (27), in dem ich einfach schon viele Stationen durchfahren bin. Manche nur einfach, einige gefühlt doppelt. Wie am Anfang festgestellt, fährt hier alles sowohl im Kreis, als auch teilweise geradlinig, so genau weiß das hier aber keiner, da es auch keinen Fahrplan oder sowas gibt und jeder einem was anderes erzählt! Früher hätte man dazu noch „durchlaufen“ gesagt, aber heutzutage ist das in der Hektik der modernen Welt ja eh alles relativiert.

manchmal verschlafe ich ein paar Stationen…

Genug an Metapher, jetzt wird Klartext gesprochen: Ich bin Angestellter, Selbständiger, Student, leidenschaftlicher Athlet, zweifacher Katzenpapa, Lebenskünstler mit vielen auch sehr unterschiedlichsten Hobbies und treibe viel Sport, ach hatte ich schon erwähnt, dass ich viel Sport treibe…sehr viel sogar.
Dabei interessiert mich mein Aussehen kaum, weder beim Sport direkt, noch abseits davon. Mein Körper ist (m)ein Mittel zum Zweck, solange er funktioniert und mir vieles ermöglicht und/oder mir manchmal Grenzen setzt und aufzeigt.
Ob es mir gut oder schlecht geht, hängt dabei auch stark davon ab, welches Bild ich gerade von mir selbst habe und das wiederum wird leider ab und zu beeinflusst, durch das was andere von mir sagen oder wie sie mich behandeln und mit mir umgehen.
Es heißt, dass man sich selbst lieben muss, bevor man gesunde Beziehungen mit anderen erleben kann. Das scheint auch in meinem Falle zu stimmen. Wenn es mir gut geht, fällt es mir ganz leicht Kontakte zu knüpfen und auch zu pflegen. Ich bin dann der Sunnyboy, der Typ, den jede(r) mag und mit dem man einfach alles machen kann! Genau so sehen mich die meisten Menschen auch, rein äußerlich.

Mich lieben, mich selbst bedingungslos annehmen, dass ist etwas, das mir nicht immer gelingt…wenn es mir schlecht geht, bin ich voller Selbsthass und -Zweifel und ein Meister darin mich selbst und andere Menschen nicht besonders zu mögen. Nein, ich kann mir dann auch nicht vorstellen, groß neue Kontakte zu knüpfen und habe dann diese komische Ansicht, dass ich gar keine neuen Bekanntschaften brauche.

Aus dem Wer bin ich? ergibt sich meist das Wie bin ich? und andersherum!

Was mache ich?

Ich kenne sowohl reiche als auch arme Menschen. Menschen, die reich an Geld sind/zuviel davon haben, aber trotzdem arm an Lebensqualität- und/oder lust. Das sind Menschen, mit denen ich nicht mehr als einen Tag meines Lebens tauschen wollen würde. Und dann gibt es da arme Menschen, denen ein scheinbar schier endloses Glück zuteil wird, trotz oder gerade wegen mangelndem Materialismus‘.
Wo ich mich selbst einordne? Keine Ahnung, wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ich bin stolz auf das wenige, was ich mir bisher, meist bewusst, erworben habe und würde mir eher ein wenig „arm“ vorkommen, wenn man gewisse Dinge in meinem Alter noch nicht als Basics bezeichnen könnte. Meine Wohnung spiegelt daher (m)ein angemessenes Maß an Materialismus wider. Sie ist nicht übertrieben groß oder protzig, aber so ausgestattet. dass die gewissen Geldsummen, die ich investiert habe, erahnbar sind.
Außerdem arbeite ich viel und gerne. Ja gerne, in meiner Branche, Dienstleistungen für Fitness, kann man sich theoretisch nach Herzenslust zu Tode arbeiten! Wenn man so will, gibt es immer etwas zu tun. Es gab Zeiten, in denen habe ich dies auch akribisch versucht, mit durchschlagendem Erfolg.
Die meisten erleben Arbeit als bloße Fremdbestimmung. Ein überfüllter Terminkalender kann aber auch Ergebnis vieler privater Termine und Verpflichtungen sein. Diesen Stress, zusätzliche Termine dort reinzuquetschen, wo Platz ist, und nicht da, wo man eigentlich möchte, erlebe ich täglich bei mir und anderen. Dabei kann fast jeder aktiv für sich und selbstbestimmt dafür sorgen, mehr von den guten Dingen in den Alltag zu holen.
Mir wurde zum Beispiel irgendwann bewusst, dass wenn ich nicht gerade um 7:00 morgens arbeiten muss, mir freiwillig auch keinen Termin vor 8:00 lege. Oder wenn es mich stresst, bei vermeintlich festen Arbeitsterminen, lässt sich in der Regel mit dem Chef darüber reden und Alternativen können entwickelt werden.
Mir hilft ein verbindlicher Termin morgens oft weiter um aufzustehen und ich erlebe so mehr vom Tag. Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden…

Die meisten erleben Arbeit als bloße Fremdbestimmung. Ein überfüllter Terminkalender kann aber auch Ergebnis vieler privater Termine und Verpflichtungen sein

Mein Lebenslauf ist ziemlich lückenlos. Da gibt es keine ausgefallenen Sachen wie „hat 1 Jahr lang auf der Spitze eines Vulkans gewohnt“, von denen man immer häufiger hört.
Ich muss auch nicht 6 Monate nach Indonesien reisen, um mich dort selbst zu finden und zu erkennen, was mir im Leben wichtig ist.
Auch hier sind wir so fremdbestimmt, dass uns durch andere suggeriert wird, wir müssten solche Dinge erleben, damit das Leben lebenswert ist.
Ich bin einfach ein ganz normaler Typ.
Ich lege nicht viel Wert auf Statussymbole, die angeschafft werden eher um der anderen willen zu beeindrucken.
Auch mit Urlaub halte ich es regelkonform, immer in Abstimmung mit den Vorlesungszeiten der Uni, Angestelltentätigkeit und Selbständigkeit. Große Auszeiten nehme ich mir nicht. Abgesehen davon würde ich natürlich gern etwas mehr verreisen, aber mein Leben spielt sich nun einmal genau hier ab.
Ich habe schon so viele Dinge getan, immer mit dem (Hinter)Gedanken, dass diese sich eines Tages alle sinnvoll in das große Ganze einfügen und wie ein 1000 Teile Puzzle zusammenpassen, wo man sich angefangen beim Rahmen bis zur Mitte vorpuzzlet. Wenn wir mal ehrlich zueinander sind, machen wir doch viele solcher Dinge langfristig in genau dieser Hoffnung?!

Ich muss nicht 6 Monate nach Indonesien reisen, um mich dort selbst zu finden und zu erkennen, was mir im Leben wichtig ist.

Wenn ich so zurückblicke, fühle ich mich bis auf ein paar weitere berufliche Zwischenstationen nicht viel anders als z.B. vor 4 Jahren mit 23, als ich mein erstes Studium abschloss. Statt dem Bachelor- mache ich nun ein Masterstudium und statt 140 Kilo kann ich nun 200 Kilo Kniebeugen, aber im Grunde genommen ist es doch fast immer noch dasselbe und ich frage mich, wohin das gehen soll?

Wo will ich hin?

Die Quintessenz all dieser Gedankengänge ist für mich, dass man sich der Kontinuität des Seins und der persönlichen Entwicklung(en) hingeben muss. Für den ein oder anderen mag es sinnvoll sein, sich (Zwischen)Ziele zu setzen wie in meinem Falle: Bevor ich 30 Jahre alt bin, möchte ich meine eigene CrossFit-Box betreiben (Anm: so nennen sich die Fitnessstudios, die ausschließlich die Sportart „CrossFit“ anbieten).

Bevor ich 30 Jahre alt bin, möchte ich meine eigene CrossFit-Box betreiben

Wo also muss ich hin? Ich muss mir öfter und vor allem regelmäßig Zeit wie diese zum Selbstreflektieren nehmen. Es muss ja nicht gleich ein fester Termin sein, der wie all die anderen den Terminkalender noch voller drückt. Aber zumindest in Regelmäßigkeit bei eh schon bestehenden Gewohnheiten. Ich würde da zum Beispiel die Zeit abends beim Kochen nutzen.

Kurzfazit

Da ich meinen Kopf nicht einfach abschalten kann und will, werde ich diese Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion öfter benutzen. Sei es indem ich Artikel wie diesen schreibe oder ein (neues) Projekt abschließe, um mit mir im Reinen zu sein. Alles für mich wichtige Faktoren für persönliche Entwicklung und Veränderungen.

author: Sebastian Werner