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Dating, CrossFit und Tinder – Teil 2

03.02.2018

Vor fast genau einem Jahr nach Teil 1, war ich zwischendurch doch mal wieder auf der Datingplattform „Tinder“ unterwegs. Teilweise mit wirklich erschreckenden Erfahrungen und Einsichten, die ich mit Euch teilen möchte

Etwas Zeit ist seit Teil 1 durchs Land gezogen. Aus einer Kombination von purer Neugier und erneutem Singledasein, habe ich mein Tinder-Profil zwischenzeitlich reaktiviert.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bin ich immer noch angemeldet (was nicht als Aufforderung zu verstehen ist mich zu matchen :P) und hadere mal wieder damit, es zu deinstallieren, aus…Gründen.

Ausgangslage?

Bevor ich Teil 2 wirklich beginnen mag, möchte ich mich bei allen über ihr zahlreiches, oftmals auch sehr persönliches Feedback bedanken, dass mich erreicht hat.
Vieles davon war schön, manchmal auch schmeichelhaft, geschrieben und zu verinnerlichen.
Ich bin mir über die heikle Lage und Missverständlichkeit dieses Themas bewusst und auch, dass man Geschriebenes leicht unterschiedlich interpretieren kann.

Nur ein kleines Beispiel aus dem What’s app-Gespräch zwischen mir und einer Bekannten (die ich vorher nicht gefragt habe dies zu veröffentlichen, aber liebste liebste J, bitte erlaube es mir :D):

Einmal Feedback bitte

Sie: „Jede Frau der du schreibst, dass du nur 2 Std Zeit hast, weil du trainieren musst etc. kann sich gar nicht auf ein Daten richtig einlassen, wenn du sowas vorher äußerst.“
…später im Text:
Jemand mit dem man sich treffen möchte macht von vorn herein klar was seine Prioritäten sind und wenn er sich für ein Date nur 2std frei nehmen möchte, gibst du der Frau von vornherein klar zu verstehen, dass sie niemals der Mittelpunkt in deinem Leben sein wird. Was ich damit sagen möchte….Da hat keine Frau Bock drauf….
…noch einmal später im Text:
„Ein Mann der mir so ein kleines Zeitfenster von Anfang gibt ist für mich total uninteressant, weil du damit ein Gefühl vermittelst nur zweitrangig zu sein und welche Frau möchte nur zweitrangig sein?

Meine Antwort:
Ich: „Damit hast du völlig recht meine liebe 😉
ich setze eig keine zeitlichen rahmen; ganz im gegenteil halte ich mir das nach hinten immer offen, selbst wenn ich morgens um 5 aufstehen muss und das date erst um 21 uhr abends stattfindet, lasse ich es gern auch mal bis 2uhr morgens eskalieren.
oder ich vermeide es einfach generell schon, an solch kurzen zeitfenster/-tagen mich zu daten.“

Weiter im Text

Ich fand das Feedback total super und passend, wusste aber z.B. nicht, dass ich durch Teil 1 den Eindruck erweckt hätte, dass ich nur 2 Std Zeit habe bei einem Date bzw. nicht mehr aufbringen würde und das teilweise schon vorher als Priorität zu machen.

Wie man anhand dieses kleinen Beispiels sehen kann, wird Teil 2 dieses Mal noch ein wenig persönlicher und intimer, als es Teil 1 noch gewesen ist.
Das liegt zum weiterhin auch noch daran, dass mittlerweile jeder die App/Grundlagen und Funktionsweise Tinders kennen dürfte, ich diese also nicht mehr zu erklären brauche oder man Teil 1 einfach erst lesen sollte.
Außerdem liegt es an meinen wachsenden und immer noch sehr ambivalenten Erfahrungen damit.

Noch kurz zu mir: Ich bin ein recht erfolgreicher Personal-, CrossFit- und Fitnesstrainer, 28 Jahre alt geworden und Single seit Mai 2017.
Mein Denken und meine Ansprüche sind oft idealistischer Natur.
An eine Beziehung stelle ich meiner Meinung nach dennoch keine überzogenen Ansprüche oder Erwartungen.

Meine Wenigkeit mit der heutigen Superheldentat, krank, diesen Artikel fertigzuschreiben

Meine Wenigkeit mit der heutigen Superheldentat, krank, diesen Artikel fertigzuschreiben

Ich gehe da oft eher relativ altmodisch an die Sache ran: Wenn man sich toll versteht, die Zeit miteinander die Zeit ohne einander überwiegt (qualitativ gesehen) und man sich einander Kraft gibt, dann entsteht für mich so eine Art „Erfolgsspirale“ (mir fiel leider kein passenderer Begriff ein), die die Beziehung ganz natürlich ins Rollen bringt.
Vielleicht ist dieses Denken heutzutage zu naiv und ich bin es damit auch…aber schauen wir erst einmal weiter!

Warum meine/diese Erfahrungen ausgerechnet mit Euch und der Welt teilen?
Ist das nicht völlig off-topic zu Fitness? Ja, vielleicht, wobei man diesen Artikel auch im Gesamtkontext sehen muss. Für sich alleinstehend zu 90% persönlich und 10% Fitness.
Jedenfalls denke ich, um auf die Frage davor zurückzukommen, hat das u.a. Ursachen in persönlichen Hintergründen, und meine Motivation lässt sich vielleicht mit folgendem Zitat relativ gut wiedergeben:

Wenn du beginnst dich, dein Selbst, mit anderen zu teilen, dann beginnst du auch, dich selbst zu verstehen.

Kranke Gesellschaft 2.0 ?

Es geht um Sex. Das war immer so und wird es vermutlich auch bleiben. Das war MIR bisher anscheinend NOCH nicht deutlich genug.
Hat man sich erst einmal mit diesem simplen Gedanken angefreundet, ist es eigentlich gar nicht mehr so schwer…zumindest in der Theorie, aber die Dates kommen ja noch zur Sprache 😛

Neben der eigenen Charakterentwicklung und Erfahrungen, steht die Gesellschaft auch nicht still und hat einige Veränderungen erfahren.
Die App ist dafür nur eines von vielen Anzeichen und spiegelt eher Wirkung als Ursache wider, wobei die Frage nach dem Huhn oder Ei immer etwas mitschwingt.

Begriffe wie „Mingle“ (Kunstwort zwischen „mixed“ und „Single“), Fuckbuddy, Ghosting, Benching uvm. geistern mittlerweile durch unsere Gesellschaft wie völlig selbstverständliche Konstrukte (überprüft euch selbst, wie viele von den Begriffen ihr bisher schon kanntet).

Für mich waren und sind diese Phänomene nach wie vor nicht selbstverständlich, sondern eher Produkte, teilweise kranke, Auswüchse unserer modernen, schnelllebigen Gesellschaft (Artikelempfehlung: Leben im Zeitalter der Beschleunigung).

Ich musste vieles davon ehrlicherweise erst einmal selbst recherchieren und zu verstehen lernen, bevor ich diesen Artikel schreiben und meine persönliche Meinung (!!!) zu allem äußern konnte.

Es geht um Sex. Das war immer so und wird es vermutlich auch bleiben.

Die Dates 2.0

Heutzutage zählt es ja schon als eine DER aufrichtigsten Komplimente, wenn man bei einem Date sein Handy unbeachtet in der Hosentasche lässt.

Anders als im Club gibt es hier nicht die komplizierte Situation, dass man sich z.B. an der Bar kurz mit einer anderen Frau unterhält und Gefahr läuft, dass die „Frau der Begierde“ es (negativ) registriert.
Mit Tinder ist jeder Tag wie ein „ewiger Clubbesuch“.

Und da ist es schon schwierig genug zu separieren, wenn im diffusem Scheinwerferlicht gefühlt schon 3-5 attraktive Damen auf einen wirken und man aber einer der seltenen Typen ist, die wirklich für die Musik und das Tanzen und Feiern in Clubs geht.

Doch genau wie Besuche des immer gleichen Clubs, verloren die Treffen mit jedem Date etwas mehr von ihrer Faszination und Besonderheit. Es erschien wie der fast immer gleiche Ablauf, ähnlich wie beim Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Was macht das mit einem?

Doch bevor ich genauer zu den Dates komme, möchte ich, um sehr ehrlich/offen zu sein, zugeben, dass ich letzten Endes auch etwas Neues abseits der Plattform Tinder gewagt habe.
Ich hatte nämlich wieder Sex, wenn auch unregelmäßig, aber nicht mit einem meiner Dates, sondern mit einer Altbekannten.

Doch macht mich dieser Umstand nun zu einem Mingle oder gar Fuckbuddy?!
Zwei Singles, die sich alle 2-3 Wochen treffen, miteinander schlafen, ohne einander verpflichtet zu sein, die aber auch (Frei)Zeit miteinander verbringen…Mingle oder Fuckbuddy?!

18-02-03 Tinder 2Eigentlich wie ein Date, bei dem man sicher sein kann, dass es am Ende Sex geben wird.
Aber wenn keine emotionalen Bindungen entstehen, geht’s letzten Endes doch nur darum ohne komplizierte Umwege (Dates, Tinder) Sex zu haben. Nicht weil man sich gut versteht, deswegen sieht man sich ja auch eher selten.

Ich sehe mich letzten Endes trotzdem nicht als authentischen Mingle oder dergleichen. 1. Weil es für mich wie zuvor lang und breit beschrieben kein idealer Zustand ist und 2. authentische Mingles Menschen sind, die in ihren letzten Beziehungen derartige Verletzungen davongetragen haben, dass sie nicht mehr gewillt (oder fähig) sind, sich auf neue Partner einzulassen.

Diesen Weg kann und will ich mit meinen 28 Jahren rein zeitlich bisher noch nicht gegangen sein.

„Kommt nicht ohne Joint zum ersten Date“

ist eines dieser unnötigen Dating-Details, die man teilweise vergessen will und die einem rückblickend klar machen, dass man den gleichen Fehler auf diesem Gebiet vermutlich nicht zweimal begehen wird.
Doch eins nach dem anderen:
Mein letztes Tinder-Date hatte mir nach ein paar, zugegebenermaßen interessanten Chats im Urlaub, bereits die Pistole auf die Brust gesetzt.

Da hieß es:

„Entweder Montagabend oder das wird die Woche/erstma nichts so schnell wieder“

„Okay, zu Befehl!“ (sie war Polizistin) oder „zum Glück“ kam ich Sonntagnacht (aber der Koffer leider nicht) ausm Urlaub zurück und hatte Montagabend noch frei…also dachte ich wohl „jetzt oder nie!“

Hätte ich das mal im Vorfeld genauso gedacht, als es darum ging mir eine Sprachnachricht schicken zu lassen. Dann hätte ich mir im Nachhinein das ganze Date hätte sparen können…aber eins nach dem anderen!

Bis auf den Umstand, dass sie bereits vorher ihre knappe Zeit zur Priorität machte, so wie es in meiner Einleitung der Fall bei mir war, war der erste Eindruck eigentlich ein guter.
Doch schon bald folgte die Ernüchterung nach ein paar längeren Sätzen: Sie berlinerte…ganz schön heftig…viel zu heftig für meinen Geschmack und das sage ich als Ur-Berliner!

Aber selbst das ging auch irgendwann mal wieder vorbei, als sie sich (scheinbar?) mit 3 Mojitos zu betrinken versuchte, zumindest wirkte das als Sportler und normaler Mensch auf mich so, der sich Montag 18 Uhr in der Regel nicht in einer Bar befindet und trinkt.

18-02-03 Tinder artikel

Zum Glück (die 2te :D) kam ihre Freundin, mit der sie eigentlich 21 Uhr an einem nahegelegenen Bahnhof verabredet war und zu dem wir zusammen fahren wollten, dann doch schon zu 21 Uhr zu der Bar in der wir saßen, um wen-oder-was-auch-immer zu erlösen.

Da hatte ich mich doch mal wieder zu 1 Cocktail und 1 Bier überreden lassen und musste das Bier, als die neue Info mit der Freundin kam, dann am Ende in gefühlt 5 Minuten wegexen, klingt doch total entspannend, oder liebes Publikum?

Wie meine Bekannte so schön sagte, müssen wir auch wieder damit anfangen, andere zu unserer Priorität machen zu wollen!

Einer geht noch

Dann gab es da dieses verrückte Freitagabenddate, dass um 21 Uhr in einer Bar begann.

Nach der, scheinbar üblichen, Halbwertszeit eines Tinder-Dates von 90 min (?), beschlossen wir, es uns vom zunehmend kälter werdenden Außenbereich nach innen gemütlich zu machen.
Ich will euch jetzt zuviele Details ersparen, jedenfalls ging das Ganze bis knapp 3 Uhr in Bar 1, kurz darauf noch in einer weiteren Bar 2 für die klassische Runde „Berliner Luft“ und einem Kuss, weil es die Menge in der Bar wollte.

Sie hat mich auch mit nach Hause genommen, aber dort weiter keine Anstalten mehr auf mehr gemacht und so kann mich noch sehr  gut daran erinnern, wie ich mich um 5 Uhr morgens total fertig auf der Couch auf Arbeit wiederfand, um 3h später wieder aufzustehen und den halben Samstagvormittag zu arbeiten.
(Die Nachwirkungen habe ich dann immer noch Sonntagmittag im Workout um 12 Uhr gespürt).

So hatten wir uns zwar 1-2x geküsst (Wer weiß das schon so genau :P), aber nach diesem Date stellte es sich anscheinend als Unmöglichkeit heraus, ein weiteres zu vereinbaren, was anfangs ehrlich gesagt ziemlich frustrierend war.

Scheinbar ging es wirklich nur um Sex und das schnelle Vergnügen, was sich aber mit der Szene bei ihr zuhause widerspricht, aber das könnte man doch in Zukunft auch einfach klar und deutlich, zumindest nach der 1ten Halbwertszeit, kommunizieren, oder?

Ausblick & Ende

Ob die paar wenigen Ausnahmen wie Tinder-Pärchen im Freundeskreis das zuallerlerst Online-Dating rechtfertigen? Vielleicht, aber nur für 10% der Masse.
Deshalb sage ich: Nein.
Und:

„Ich wollte meine Zeit nicht verschwenden, er/sie/es soll mir (bitte) ‚einfach‘ im Leben begegnen und mich mit Art und Weise begeistern!“,

, um eine Bekannte, und ihren Gedanken zu zitieren, der wahrscheinlich auch vielen ähnlichdenkenden Personen entsprechen dürfte.

Ob es einen Teil 3 geben wird? Wahrscheinlich nicht, ich hoffe es zumindest. Aber wer weiß schon, 1. was das Jahr so mit sich bringt und 2. was es in 1 Jahr so geben wird, vielleicht ja Virtual Reality-Dating?

 

Euer Personal Coach
Sebastian

author: Sebastian Werner